Bettnässen verstehen

Interview mit dem Facharzt

Wenn Kinder in die Hose machen: Das wichtigste Hilfsmittel ist viel Verständnis

Wie viel Bettnässen ist normal? Was steckt überhaupt dahinter? Wie lässt sich die Sache in den Griff kriegen? Und warum dauert das so lange? Der Wiesbadener Kinderurologe Dr. Karl-Heinz von Kellenbach erklärt im Interview, was hinter einem feuchten Bett am Morgen steckt – und warum Empathie so wichtig ist.

Dr. Karl-Heinz von Kellenbach ist Facharzt für Urologie und Kinderurologie. Er war Chefarzt des Zentrums für Urologie und Andrologie, Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden. Heute ist er in der Praxisklinik „medi-docs“ in Wiesbaden niedergelassen und führt stationäre Operationen in der Lilium-Klinik durch.

Herr Dr. von Kellenbach, nächtliche Inkontinenz bei Kindern ist ein Phänomen, dass im Kita- und teils noch im Grundschulalter häufig auftritt. Warum stellt es dennoch so ein großes Tabu dar?

Wir wissen alle: Die Kontrolle über die eigenen Ausscheidungen ist ein wichtiger Teil des Großwerdens. Damit ist sie bedeutend für das Zusammensein in der Gemeinschaft, im Kindergarten, der Schule, unter Freunden und in der Familie. Auch wenn dies tagsüber gut funktioniert, leiden viele Kinder unter dem unfreiwilligen Verlust von Urin in der Nacht.

Kinder verbinden dies mit negativen Gefühlen, sowohl körperlich als auch emotional: Der Urin verursacht unangenehme Nässe. Sie ist auch für Dritte, sprich Eltern, Großeltern, oder Lehrer bei Klassenfahrten sichtbar. Dazu kommt der auffällige Geruch. Die Symptome lassen sich also nicht verstecken. Und weil dies oft Schamgefühle auslöst, manchmal auch Ekel, sind die Folge nicht selten Gefühle von Minderwertigkeit und körperlicher Unreife. Diese führen mitunter zu einer starken seelischen Belastung.

Aus diesem Grund bedeutet das Übernachten bei Freunden oder der Schulausflug extremen Stress für Kinder, sowie für deren Eltern. Das nasse Bett wird zwangsweise außerhalb der Familie publik und führt möglicherweise zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Gleichaltrige beginnen, die Kinder zu hänseln. Andere Erwachsene unterstellen gleichzeitig den Eltern ein Versagen, weil ihr Kind noch nicht trocken ist. Daher ist Inkontinenz ein Tabu, ein unausgesprochenes Gebot unserer sozialen Gemeinschaft. Und dies bereits in der Vor- und Grundschule!

Stimmt es, dass emotionale Belastungen wie beispielsweise die Trennung der Eltern häufiger Auslöser für die Symptome sind als organische Ursachen? Wie helfen Mutter oder Vater da am besten?

Das Trockenwerden ist eine Phase in der Entwicklung des Kindes, die eine individuelle Dauer hat. Das Verschalten des automatischen Kontrollzentrums der Blase mit dem Gehirn ist eine sogenannte „Onlineverbindung“. Erst wenn sich dieser Kontrollmechanismus ausreichend festigt, verschwinden die Beschwerden auch in der Nacht.

Diese „Onlineverbindung“ im Gehirn verläuft durch andere Hirnstrukturen hindurch. Dadurch findet auch eine emotionale Prägung statt. Das bedeutet, Trauer und Angst sind in der Lage, die Signale auf dem Weg zum Reflexzentrum der Blase zu stören. Die Folge ist eine erneute Inkontinenz am Tag und vor allem nachts.

Ein nasses Bett ist in diesem Fall also ein klares Zeichen, dass gerade etwas so gar nicht stimmt. Nächtliches Einnässen ist nahezu immer seelischer Natur. Darum ist es besonders bedeutend, den Kindern das Teilen ihrer Sorgen zu ermöglichen. Das kann mit den Eltern passieren, den Erziehern oder dem Kinderarzt. Wichtig ist vor allem, dass sich die Kinder geborgen und sicher fühlen. Dann regelt sich das Problem mit der Zeit meist von allein.

Ist es wichtig, dem Kind zu erklären, dass es sich nicht schämen muss – und wie mache ich dies kindgerecht?

Das Schamgefühl des Kindes ist normal. Wichtig ist, ihm Verständnis zu zeigen, um die ohnehin schon hohe seelische Belastung nicht noch weiter zu verstärken. Auch wenn die Situation die Eltern stresst, ist es ratsam, den Stellenwert des Problems vor dem Kind herunterzuspielen. So vermitteln sie die Gewissheit, dass bald alles wieder gut wird.

Rollenspiele und Puppenspiele helfen hier ebenso wie die Placebo-Einnahme von Tabletten ohne jeglichen Wirkstoff, um die Blase zu stärken.

Ab wann empfiehlt es sich, doch den Kinderarzt zu Rate ziehen?

Ab dem 5. Lebensjahr hilft ein Kinderarzt, als unparteiischer Berater emotionale und subjektive Verhaltensweisen der Eltern zu stärken und zu verbessern. Darüber hinaus kann er organische Ursachen für die Beschwerden sicher ausschließen.

Nehmen unterstützende Produkte wie Windelhöschen oder Matratzenschutz Eltern und Kindern den Druck?

Da das Einnässen unbewusst im Schlaf eintritt, ist es in jedem Fall hilfreich, auf Windeln oder Betteinlagen zurückzugreifen. So verstärkt sich die ohnehin hohe psychische Belastung des Kindes nicht zusätzlich durch die Angst vor Wiederholung.

Ein Verschlimmern des Einnässens brauchen Eltern hierdurch nicht zu fürchten. Das Kind wird trotzdem trocken – in seinem eigenen Tempo.

In einigen Fällen verursacht ein Harninfekt die Inkontinenz während der Nacht. Was kann darauf hindeuten?

Einnässen infolge einer Entzündung der Blase äußert sich durch Schmerzen, tägliches Einnässen, deutlich strengeren Uringeruch und ständigen Harndrang. Ob es sich tatsächlich um einen Infekt handelt, zeigen frei verkäufliche Urin-Teststreifen aus der Apotheke. Alternativ kann auch ein Kinderarzt den Urin untersuchen.

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