Gratismuster

Geschichte Eins: Die Zauberschnürsenkel

Geschichtenbild Nacht

Es war ein langer Tag gewesen für Hilda. Es war die Vorweihnachtswoche, und ihre Mutter hatte sie den ganzen Tag in jeden Laden der Stadt geschleppt. Der Mond stand schon am Himmel und die Schaufenster spiegelten sich hell in Hildas müden Augen wider, während hier und da schon die Rolläden herabgelassen wurden. An der Hand der Mutter überquerte sie die Strasse zu ihrem Auto, das unter dem Schnee fast schon verschwunden war. "Mach schnell, Hilda, bevor es noch dicker kommt!"

Hilda rieb sich mit ihren dicken Fäustlingen den Schnee aus den Augen, als sie aus dem Augenwinkel einen Laden an der Ecke bemerkte, in dem noch Licht brannte. Ein altes, wurmstichiges Ladenschild schwang in der Abendbrise hin und her. „Juwelier Jonathan“ stand darauf. „Können wir da schnell mal rein?“ fragte Hilda neugierig, und da sie so friedfertig gewesen war, war ihre Mutter einverstanden.

Die große Holztür schwang knarrend auf, und die Wärme aus dem Ladeninneren strich über ihre Gesichter. Alle Regale waren voller seltsamer und wunderbarer Dinge. Einiges davon hatte Hilda noch nie in ihrem Leben gesehen.

„Guten Tag, die Damen“, begrüßte sie der Mann hinter der Theke. Seine überaus freundlichen Augen glitzerten und sein weißer Bart wirkte weich wie Watte. Während Hildas Mutter mit ihm sprach, sog Hilda verstohlen all die wunderlichen Anblicke in sich auf. Im hinteren Teil des Ladens hielt sie verwundert inne. Auf einer hohen goldenen Säule stand ein Glaskasten. Darin lag ein purpurrotes Kissen, und darauf lag etwas, was wie zwei völlig gleiche Schnürchen aussah.

„Was hast du da, Hilda?“ wollte ihre Mutter wissen. „Ich weiss nicht genau, ich glaube, bloß Kordel. Aber wieso glitzert sie so?“ Eine Hand reichte über Hildas Kopf hinweg nach dem Griff auf dem Glaskasten.

Geschichtenbild Store

Vorsichtig hob der Ladenbesitzer den Deckel des Kastens an und hob die beiden Glitzerdinger auf dem Samtkisten heraus.

„Das ist nicht bloß Kordel, junge Dame, das sind Schnürsenkel!“ Hilda war etwas verdutzt. Sie kannte niemanden sonst, der Schnürsenkel in Vitrinen aufbewahrte!

„Das sind Zauberschnürsenkel“, fügte der Alte hinzu, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Hilda schaute schnell zu Mutter hinüber. Die nickte, wie sie es gehofft hatte.

Sie setzte sich auf einen Schemel und ließ sich von Mutter helfen, die Schnürsenkel in ihre pinkfarbenen Turnschuhe einzufädeln, als sie bemerkte, dass auf jedem Schnürsenkel ein winziger Schriftzug stand.

„Zieh mich!“ stand auf dem linken. Mit einem Kribbeln im Bauch beugte Hilda sich herab und zog einmal kräftig an dem Bändsel.

Da gab es einen gewaltigen Blitz, und Hilda ...

(Jetzt sind Sie dran: spinnen Sie die Geschichte weiter)

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