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Sie können viel dazu beitragen

Jede Hürde, die Sie gemeinsam genommen haben - von den ersten wackligen Schritten Ihres Kindes bis zum Abschrauben der Stützräder am ersten Fahrrad - bedeutet einen unvergesslichen stolzen Moment. Wenn Ihr Kind einnässt erscheint Ihnen das wie ein Rückschlag der Sie besorgt, verwirrt und frustriert. Aber Sie können viel dazu beitragen Ihrem Kind zu helfen, es zu unterstützen und zuversichtlich mit der Situation umzugehen.

Expertenrat

Dr. med. Daniela Marschall-Kehrel praktiziert als Urologin mit dem Schwerpunkt Kinderurologie und Bettnässen in Frankfurt am Main. Sie ist Präsidentin der Deutschen Enuresis Akademie e.V. Ihr Forschungsschwerpunkt und der Schwerpunkt ihrer urologischen Praxis ist die Enuresis (Bettnässen).

Expertenrat

Frage: Dr. Marschall-Kehrel, wie gut wissen die Eltern der betroffenen Kinder in Deutschland über die Erkrankung ihres Kindes Bescheid?Die meisten Eltern, deren Kind zum Beispiel bei Schulanfang noch einnässt, wissen gar nicht, dass es sich beim Bettnässen, wenn dies noch regelmäßig nach dem 5. Geburtstag, um eine behandlungsbedürftige Erkrankung handelt. Sie kommen häufig viel zu spät zum Arzt. Sie hätten ihren Kindern viel Leid ersparen können, wenn sie früher gekommen wären.

Frage: Warum nässen auch ältere Kinder das Bett ein?Wir wissen heute, dass nächtliches Bettnässen eine Entwicklungsverzögergerung bzw. -störung ist. Wir unterscheiden zwischen der primären Enuresis und der sekundären Enuresis. Erstere bezeichnet das nächtliche Einnässen während des Schlafes bei gesunden Kindern im Alter ab fünf Jahren, die mindestens zwei nasse Nächte pro Monat haben und noch nie länger als sechs Monate trocken gewesen sind. Seelische Probleme sind bei der primären Enuresis in den seltensten Fällen die Ursache für das Einnässen. Als sekundäre Enuresis bezeichnet man das erneute Einnässen nach einer Trockenphase von mehr als sechs Monaten. Diese Form ist oftmals auf psychische Probleme des Kindes, zum Beispiel bei einer Scheidung der Eltern oder bei der Geburt eines Geschwisterkindes, zurückzuführen.

Frage: Wie sollten Familien mit der Situation umgehen, wenn jede Nacht der Schlafanzug und das Bettzeug nass sind?Ein schnelles Hilfsmittel, um Stress aus der Familie herauszunehmen, ist das Tragen von Pyjamahöschen. Diese helfen das Bett trocken zu halten. Aber Pyjamahöschen führen nicht zur Lösung des Problems Bettnässen. Ein Arztbesuch und ggf. eine vernünftige Therapie der Enuresis ist ab dem fünften Lebensjahr dringend empfohlen.

Frage: Welchen Vorteil haben die Pyjamahöschen? Der Vorteil der Pyjamahöschen ist es, dass sie wie Windeln das Bett trocken halten, aber nicht so aussehen, wie die herkömmlichen Windeln.

Denn größere Kinder möchten nicht mehr in Windeln schlafen – das war die Babyzeit, die Vergangenheit.

Mit solchen Höschen, die diskret unter dem Pyjama zu tragen sind, können die betroffenen Kinder auch mal bei Freunden übernachten, auf Klassenfahrt mitreisen oder ein Ferienlager besuchen.

Aber diese Höschen, die es auch für die größeren Kinder bis etwa zum 15. Lebensjahr gibt, haben auch einen wichtigen diagnostischen Zweck.

Für die Diagnose der Enuresis ist ein Blasentagebuch sehr wichtig. Im Blasentagebuch notieren die Eltern unter anderem auch, wieviel Urin das Kind des Nachts produziert. Hierfür sollten die bettnässenden Kinder nachts ein Pyjamahöschen anziehen, damit die Urinmenge ermittelt werden kann. Das Höschen wird vorher in trockenem Zustand gewogen und morgens, wenn es nass ist. Dann wird die Differenz errechnet. Diese Differenz, zu der noch das erste morgendliche Pipimachen in die Toilette hinzugezählt wird, entspricht der nächtlichen Urinmenge, die der kindliche Körper produziert – wobei 1 Gramm etwa 1 Milliliter entspricht.

Ein sorgsam geführtes Blasentagebuch ist für jeden Arzt ein unverzichtbares und sehr wichtiges Diagnoseinstrument.

Was sollten Eltern tun, deren Kinder nachts noch einnässen? Hat das Kind das fünfte Lebensjahr vollendet und nässt nachts häufiger als zweimal im Monat das Bett ein, sollten die Eltern einen Arzt aufsuchen, der nach der Untersuchung die richtige Therapie auswählt. In den häufigsten Fällen liegt eine nächtliche Urinüberproduktion vor.

Bei einem gesunden Menschen wird nachts die Urinbildung reguliert, indem der Körper das Antiwasserlasshormon ADH produziert. ADH verringert die Urinmenge. Bei den meisten nächtlichen Bettnässern ist diese Produktion gestört bzw. noch nicht voll entwickelt. Der ADH-Spiegel ist somit zu gering, die kindliche Blase kann die große Urinmenge nicht halten und leert sich dann unwillkürlich im Laufe der Nacht. Hier können zum Beispiel Tabletten mit dem Wirkstoff Desmopressin eingesetzt werden, die in der Regel sofort wirken. Über 13 Millionen Kinder wurden bisher weltweit erfolgreich therapiert.

Liegt aber eine Speicherstörung vor, dass heißt werden des nachts nur kleine Mengen Wasser gelassen und ist unter Umständen die Blase kleiner, als für das Alter des Kindes erwartet, dann muss anders behandelt werden.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Urotherapie (Empfehlung zu Trink-, Wasserlass- und Darmregulation) oder das Tragen einer Klingelhose, die wie ein Weckapparat funktioniert, sobald erste Tröpfchen in die Hose gehen.

Frage: Macht es Sinn, dass das Kind nach 17 Uhr nichts mehr trinkt? Nein. Das kann gefährlich werden und ist nicht zielführend. Ganz im Gegenteil ist es für die Nierenfunktion ebenso wie für die Herz-Kreislaufund Hirnfunktion wichtig, dass ein Kind tagsüber ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt.

Damit die Nieren hauptsächlich tagsüber Urin ausscheiden und nachts ihre Arbeit reduzieren können, ist es wichtig, dass schon ab dem Morgen über den Tag verteilt ausreichend getrunken wird. Kinder, die tagsüber ausreichend trinken – wir empfehlen 40 – 50 ml pro kg Körpergewicht – haben abends in der Regel keinen großen Durst mehr.

Erst eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte nichts mehr getrunken werden. Empfehlenswerte Getränke sind Wasser und Tee. Cola, Fanta und Säfte in größeren Mengen sollten wegen des Zuckergehaltes vermieden werden.

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